Newsletter 12. August 2026
verfasst von Hartwig Thomas
Newsletter online: https://www.schellack-archiv.ch/repository/newsletter/26-NL0003Z.html
Laufend kommen neue digitalisierte Tonspuren von Schellackplatten in das Archiv der Schweizerischen Stiftung Public Domain. Diejenigen, die uns irgendwie interessant vorkommen, werden jeweils in unregelmässigen Abständen in unserem Newsletter vorgestellt.
Dieser Newsletter enthält Unterhaltungsmusik, klassische Musik aus den Fundi von Beat Schlatter, Carl Flisch und Martin Osterwalder.
Unsere Website (https://www.schellack-archiv.ch/) enthält nähere Erklärungen zum Stand unserer Arbeiten.
Inhalt dieses Newsletters
English Summary
Umzug Digitalisierung per 31. Oktober
Doubletten
Schellackplatten-Happening am 24. Oktober
Spenden und Unterstützung
Schenkung Beat Schlatter
Synch: Vinyl 78 rpm
Alben mit klassischer Musik
Klassische Instrumentalmusik
Opernarien
Operette
Lied
Salonmusik
Schlager
Jazz
Ländler
Marschmusik
Verschiedenes
English Summary
This newsletter documents the progress in establishing an inventory of the archive of shellac records of the Swiss Foundation Public Domain. The records mentioned below can be accessed through the following playlists and albums:
Synch: Vinyl 78 rpm
Instrumental Music
Opera Arias
Lied
Operetta
Salon Music
Schlager
Jazz
Ländler
Ländler: Stocker Sepp
Military Marches
Miscellaneous
Miscellaneous from South Africa
Claudio Monteverdi Oeuvres de Monteverdi realized by Nadia Boulanger
Georg Friedrich Händel Watermusic Suite For Orchestra conducted by Hamilton Harty
Georg Friedrich Händel Concerto grosso in F op. 6 Nr. 2 played by Gerhard Puchelt, conducted by Fritz Lehmann
Georg Friedrich Händel Concerto Grosso played by Arnold Goldsbrough, conducted by Boyd Neel
Wolfgang Amadeus Mozart Concerto in D major played by Yehudi Menuhin, conducted by Malcolm Sargent
Wolfgang Amadeus Mozart Requiem, KV. 626 conducted by Josef Krips
Ludwig van Beethoven Sonata in C Sharp Minor (Cis Moll), Op. 27, No. 2 played by Wilhelm Backhaus
Ludwig van Beethoven Symphony No. 7 in A Major (A Dur) Op. 92 conducted by Arturo Toscanini
Johannes Brahms Concerto No. 1 in D Minor, Op. 15 played by Clifford Curzon, conducted by Enrique Jorda
Johannes Brahms Symphony No. 1 in C Minor, Op. 68 conducted by Hermann Abendroth
Johannes Brahms Symphony No. 3 in F Major, Op. 90 conducted by Edouard van Beinum
Donations are sorely needed to pay for the materials and the rent of the storage space.
Umzug Digitalisierung per 31. Oktober 2026
Leider muss unsere Digitalisierungs-Station wieder umziehen. Das KMM Kulturzentrum hat uns die Mitbenutzung der Administrationsraums gekündigt. Das KMM kündigt diesen Raum selber beim Vermieter, um die eigenen Mietkosten zu reduzieren. Die bisherige Zusammenarbeit wird von beiden Seiten positiv beurteilt. Wir werden versuchen, sie trotzdem auch in Zukunft zu pflegen.
Wenn wir nicht in nächster Zeit ein anderes ähnlich günstiges Büro in der Nähe von Rüti finden, wird die Digitalisierungsstation zuhause bei Hartwig Thomas in der Dachkammer eingerichtet. Für Hinweise auf mögliche Alternativen sind wir dankbar.
Doubletten
Da sich verschiedene Interessenten für unsere Doubletten interessieren, haben wir eine neue Liste mit Doubletten hergestellt. Diese besteht aus rund 5'000 Platten (10'000 Plattenseiten).
Schellackplatten kann man auf herkömmlichen Plattenspielern abspielen, sofern diese neben 33 und 45 auch auf 78 rpm (Umdrehungen pro Minute) eingestellt werden können. Spezielle Nadeln sind nicht nötig, können aber - besonders bei ganz alten Platten - die Abspielqualität etwas erhöhen.
Unsere Platten enthalten keine Brüche, sind sauber abgewischt und werden in Pergaminhüllen ausgeliefert. Jede solche Platte kostet CHF 5.00 plus Verpackungs-/Porto-/Transport-Kosten. Letztere sind bei kleinen Bestellungen ziemlich teuer, da die Verpackung bruchsicher sein muss. Man kann die Platten auch in Rüti vor Ort abholen. Bei grösseren Bestellungen ist mit Lieferfristen von 1 Monat für 1000 Platten zu rechnen.
Keine Qualitätsgarantie
Nachdem wir über 20'000 Platten digitalisiert haben, wissen wir, dass die akustische Qualität nicht optisch beurteilt werden kann. Manche Hersteller haben Platten ausgeliefert, die ungespielt ("mint quality") schrecklich rauschen, kratzen und pfeifen. Da die Umdrehungsgeschwindigkeit so gross ist, hören sich auch Platten, die optisch ziemlich benutzt aussehen, manchmal hervorragend an.
Die Turicaphon AG hatte zeitweise für die ELITE-Platten viele qualitätssichernde Mitarbeiterinnen angestellt,
die jede einzelne Platte für den Verkauf abhörten und bis zu 30% Ausschuss aussortierten. Platten
anderer Hersteller wurden weniger sorgfältig geprüft. Wir danken dem Geschäftsführer der Turicaphon AG
Lee Osterwalder für die Fotos aus dem dem Produktionsprozesse am 3. Januar 1957.
Qualitätsprüfung vor Kauf
Deshalb bieten wir auch professionell gewaschene und akustisch geprüfte Doubletten an. Wer an einem Titel interessiert ist, bezahlt vorgängig CHF 25.00 für das Waschen und Prüfen und kann sich online von der akustischen Qualität überzeugen, bevor er die so erfassten Platten des Titels für CHF 25.00 pro Platte bestellt.
Schellackplatten-Happening am 24. Oktober
Zusätzlich zu den in der oben erwähnten Liste aufgeführten Doubletten haben sich auch rund 400 Platten in mehreren Kisten
mit ungeordneten Schellackplatten in durchsichtigen Plastikhüllen angesammelt, die wir nicht erfasst haben, weil wir sie schon vorher als Doubletten erkannten.
Da wir vor dem Umzug der Digitalisierungsstation möglichst viele dieser Platten
loswerden wollen, veranstalten wir
in unserem Büro im KMM Kulturzentrum Dürnten
am Samstag Nachmittag des 24. Oktober 2026
von 14:00 bis 18:30 Uhr
ein Schellackplatten-Happening mit Musik.
Auf Wunsch der Besucher werden diese unerfasste Doubletten auf einem mechanischen oder auf unserer Digitalisierungsstation abgespielt. Sie können für CHF 2.00 pro Platte vor Ort erworben werden. Ausserdem stehen noch zwei Designer-Stehlampen und zwei Bürostühle zum Verkauf, für die wir am neuen Ort keine Verwendung haben.
Der Eintritt ist frei, Voranmeldung wird geschätzt.
Spenden und Unterstützung
Die Schweizerische Stiftung Public Domain ist dringend auf Spenden angewiesen, um die Lagermiete und das Archivmaterial (Plattenhüllen, Archivschachteln) und externe Digitalisierungen von Tonbändern zu bezahlen.
Sämtliche Arbeit am Archiv wird ehrenamtlich geleistet.
Bitte unterstützt diese Arbeit!
Mitgliedschaft Förderverein
Wer wünscht, dass das Schellackplatten-Archiv auch längerfristig besteht, wird gebeten, dem Förderverein beizutreten.
- Mitglieder (100 CHF/Jahr),
- Gönner (250 CHF/Jahr) und
- Institutionen als Mitglieder (2000 CHF/Jahr)
Helfer gesucht
Man kann uns auch unterstützen, ohne etwas zu spenden. Wir suchen Helfer auf folgenden Gebieten:
- Bekanntheit des Schellack-Archivs steigern
- Treffen organisieren
- Präsenz auf Social Media aufbauen und pflegen
- Wikipedia-Eintrag für unser Archiv erstellen
- Wikipedia-Einträge für Interpreten und Komponisten unserer Platten erstellen
- Kontakte mit anderen Organisationen aufnehmen und pflegen
- Redaktion Newsletter
- Unsere Internet-Radio-Kanäle technisch betreuen
- Unsere Internet-Radio-Kanäle inhaltlich betreuen
- Fundraising
Es genügt, uns Interesse an Mithilfe als Antwort auf diesen Newsletter zu bekunden.
Schenkung Beat Schlatter
In diesem Newsletter stellen wir die Schenkung von Beat Schlatter, Zürich vor. Sie enthält unter anderem die wenig bekannte Hommage an den Schweizer Dialekt von Lale Andersen, das von den Drei Nickels verschönerte Volkslied vom alten Schimmel und einen Vorläufer des Frühfranzösisch, der wohl nicht weniger erfolgeich war als das heutige.
Auch solche Schenkungen kleineren Umfangs sind bei uns willkommen. Die archivierten Platten werden mit dem Namen der Geber publiziert. Wir behalten uns vor, allfällige Doubletten zu verkaufen. Dabei kommt der Profit ausschliesslich unserer Stiftung zwecks Erhalt des musikalischen Erbes zugute.
Synch: Vinyl mit 78 rpm
Music De Wolfe, eins der Labels auf dieser Playlist, wurde 1909 von Meyer De Wolfe gegründet und gab zuerst Noten heraus, die sich für die Begleitung von Stummfilmen eigneten. Dieser Vorläufer des Synch wurde als Library Music bezeichnet. In seiner mehr als 100-jährigen Geschichte hat dieses Label alle mögliche Musik von Radio-Logo-Melodien bis zu Phone-Klingeltönen produziert. Musik ist offenbar weit mehr als was man im Konzert hört.
Alben mit klassischer Musik
Da klassische Musik noch keine technischen Beschränkungen der Länge eines Musikstücks kannte, passt sie oft nicht auf eine einzelne Schellackplatte und wurde in Form von Alben verkauft. Diesmal haben wir folgende Alben vorgefunden und digitalisiert:
- Claudio Monteverdi Oeuvres de Monteverdi realisiert von Nadia Boulanger Einige dieser Platten habe ich schon einmal in einer Playlist zusammengestellt. Auch diesmal ist die Kollektion wohl unvollständig, wie man aus den Bestellnummern ersieht. Monteverdis Musik erschien im Druck, als erst sehr wenige Drucker (Verleger) vom Staat ein Privileg zum Drucken von Musik erhielten. Das verhalf ihm schon zu seiner Lebenszeit zu grösserer Bekanntheit. In Zürich verhalf Nikolaus Harnoncourt seinen Werken um 1970 mit einer damals neuartigen Interpretation "authetischer" Alter Musik zu einem Revival. Die hier vorgestellte von Nadia Boulanger realisierte Zusammenstellung aus den Fünfziger Jahren dürfte zu den frühesten Aufnahmen seiner Musik auf Platten gehören.
- Georg Friedrich Händel Watermusic Suite For Orchestra dirigiert von Hamilton Harty
- Georg Friedrich Händel Concerto grosso in F op. 6 Nr. 2 gespielt von Gerhard Puchelt, dirigiert Fritz Lehmann Bei diesem und den anderen 11 Concerti Grossi aus dem Opus 6 von Händel ging es wohl darum zu zeigen, dass nicht nur Corelli dieses Genre beherrschte.
- Georg Friedrich Händel Concerto Grosso gespielt von Arnold Goldsbrough, dirigiert vonBoyd Neel In diesem Album sind die ersten 6 der 12 Concerti Grossi aus dem Opus 6 von Händel vereinigt.
- Wolfgang Amadeus Mozart Concerto in D major gespielt von Yehudi Menuhin, dirigiert von Malcolm Sargent
- Wolfgang Amadeus Mozart Requiem, KV. 626 dirigiert von Josef Krips
- Ludwig van Beethoven Sonata in C Sharp Minor (Cis Moll), Op. 27, No. 2 gespielt von Wilhelm Backhaus
- Ludwig van Beethoven Symphony No. 7 in A Major (A Dur) Op. 92 dirigiert von Arturo Toscanini Als Beethoven diese Symphonie komponierte, war er schon ziemlich taub. Bei der Uraufführung war die Begeisterung der Zuhörer nach dem zweiten Satz so stark, dass er wiederholt werden musste. Das kann ich nachvollziehen.
- Johannes Brahms Concerto No. 1 in D Minor, Op. 15 played by Clifford Curzon, dirigiert von Enrique Jorda
- Johannes Brahms Symphony No. 1 in C Minor, Op. 68 dirigiert von Hermann Abendroth
- Johannes Brahms Symphony No. 3 in F Major, Op. 90 dirigiert von Edouard van Beinum
Instrumentalmusik
Klassische Instrumentalmusik passte oft nicht wie Unterhaltungsmusik auf eine Plattenseite. In der Playlist sind viele kurze Stücke enthalten, die auf einer oder zwei Seiten Platz haben.
Opernarien
Hier kann man feststellen, dass der berühmte Hochzeitsmarsch aus Wagners Lohengrin stammt.
La Fauvette - hier gesungen von Amelita Galli-Curci - ist eine typische Bravour-Arie aus einer nie gespielten Oper, mit der die Sängerin glänzen konnte.
Dasselbe gilt für Ombra mai fu, das allgemein als das Largo von Händel bekannt ist und in allen Tonlagen von Bass bis Sopran auf Schellackplatten zu hören ist.
Operette
Operetten waren bei einem breiteren Publikum beliebt als Opern. Ihre Stücke wurden oft zu Schlagern. Sie wurden selten als ganze Alben aufgenommen. Stattdessen waren Auswahlen und Zusammenschnitte beliebt.
Lied
Da finden wir wieder einmal das von Elvis Presley im 20. Jahrhundert bekanntgemachte Plaisir d'amour.
Wer sich für Wagners amouröse Verstrickungen im Treibhaus Zürich interessiert, stellt fest, dass Mathilde Wesendonck Gedichte schrieb und sich in der Schweiz fremd wie ein aus einem tropischen Land verpflanzter Baum fühlte.
Salonmusik
Die kleinen Salonorchester eigneten sich für die Aufnahme auf Schellackplatten. Oft wurden sie von Violonisten gegründet, die sowohl spielten als auch dirigierten und manchmal sogar komponierten. Auf dem neuen Medium Schallplatte konnte sogar neu eine Frau wie Edith Lorand als Orchesterleiterin berühmt werden. Sie gehörte gemäss Wikipedia Ende der 20er Jahre zu den Spitzenstars der Schallplatten-Industrie und wurde zu einem Symbol der Frauenemanzipation.
Die Sérénade Nr. 1 dokumentiert hier ihre Musik.
Auf dieser Playlist und auf dem damaligen Plattenmarkt gehörte der Ukrainer Dajos Béla (Leon Golzmann) zu den erfolgreichsten Salon-Musikern der Zeit wie das Verzeichnis seiner Odeon-Aufnahmen belegt.
Hier spielt er die Parade der Zinnsoldaten, die immer weiter marschieren, weil der Zar vergessen hat ihnen einen Stopp-Befehl zu erteilen.Schlager
Aber schon im 19. Jahrhundert gab es Lieder, die von allen auf der Strasse gepfiffen und gesungen wurden. Zum Beispiel Le Temps des Cerises, das Lied von der Kirschenzeit, das mich als Liebhaber der lucullischen Kirschen besonders anspricht. Ich habe dieses Lied zum ersten Mal in den Achtzigerjahren von Wolf Biermann gehört. Man mag über die musikalische Qualität seines manchmal röchelnden, manchmal japsenden, quietschenden Vortrags geteilter Meinung sein. Aber nur ein ehemaliger DDR-Bewohner konnte so klar erklären, wie ein und derselbe Text seine Bedeutung ändert, wenn sich die politische Lage ändert. Aktuelle Grosse Sprachmodelle - fälschlich als Künstliche Intelligenz bezeichnet - sind noch weit von dieser Erkenntnis entfernt.
Hier finden wir auch vier Songs von Frank Sinatra, die wenig bekannt sind. Besonders witzig fand ich The Coffee Song.
Jazz
Auch die Version der von Chattanooga Choo Choo der Hollywood Hillbillies ist mal eine schöne Abwechslung.
Ländler
Was Teddy Stauffer für die Fans des Schweizer Jazz, ist für die Liebhaber des Ländlers der Stocker Sepp, von dem wir hier ein paar Stücke in einer separaten Playlist zusammengestellt haben.
Marschmusik
Diesmal auch einige untypische Marschmusik, die wohl eher nicht für marschierende Soldaten gespielt oder von solchen gesungen wurde.
Verschiedenes
Die hier vorgestellte Version von The Lord's Prayer liefert das Vaterunser als Chorgesang überlagert vom gesprochenen Text zusammen mit seiner Exegese - im SRF nennt man das neuerdings "Einordnung".
Der Sänger Ahmed Jabrane von Ana Omri Manakbi (Seite 1, Seite 2) war offenbar in Marokko sehr beliebt und berühmt. (Korrekturen der automatischen Übersetzung sind willkommen!)
Und ebenfalls aus Afrika stammt diese Playlist mit Stücken aus Südafrika. Wenn man sich fragt, was der Kanadier Guy Lombardo mit einem ziemlich rassistischen Lied in Südafrika zu suchen hat, kann ich nur erklären, dass die Platte offenbar in Südafrika gepresst wurde und alle diese Platten zusammen in einer Schachtel vorgefunden wurden.
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